Kleists Einakter „Der zerbrochene Krug“ ist ein häufig gespieltes Stück auf deutschen Bühnen. Liebende, denen das Vertrauen zueinander abhanden gekommen ist, ein unschuldig Angeklagter und eine Justiz, die, nur auf den eigenen Vorteil erpicht, lieber Fehlurteile fällt als für Gerechtigkeit zu sorgen, sind Themen, die immer ihre Aktualität haben werden.

Dennoch erschien der Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums unter der Leitung von Manuela Ittner manches nicht mehr so ganz in die heutige Zeit zu passen. Und so entstand in gemeinsamer Arbeit der Schüler von Klasse 6 bis zur Kursstufe „Der zerbrochene Krug 2.0“ in zeitgemäßer Sprache und mit Requisiten aus dem Jahr 2016.

Witzige Formulierungen waren das Ergebnis, wie zum Beispiel die Ansage der Sekretärin (Edonita Berisha) des Gerichtsrats Walter (Leon Klotzbach): „Das macht nichts. Sein Smartphone hat Spracherkennung“. Komik nicht ohne Tiefgang war zu sehen, als die bei Gericht beschäftigte Susi (Lania Schunke), nicht nur Unmengen leerer Pizzakartons entsorgt, sondern auch während der gesamten Aufführungsdauer durch unentwegtes Kehren vergeblich versucht, die Unordnung im Gerichtssaal zu beseitigen. Dabei liegt die wahre Unordnung darin begründet, dass Vertreter des Gerichts die Lappalie eines kaputten Kruges in den Vordergrund stellen, um zu vertuschen, dass es eigentlich um das erzwungene Stillschweigen Eves (Lena Bücheler) geht, die vom Richter Adam (Noreen Peter) belästigt worden war.

Und so waren die Zuschauer gespannt auf den Ausgang der Verhandlung, zumal sie durch das obere Foyer mitsamt Treppe und Türen als Bühnenraum quasi direkt ins Geschehen einbezogen waren, vor sich Richter, Gerichtsrat und Schreiber (Anna Deutscher, Alexandra Helfenbein), mittendrin die Figuren, die in den Zeugenstand gerufen wurden. Bis zum Schluss  herrschte Spannung: Wird der zu Unrecht Angeklagte Ruprecht (Johannes Hascher), unterstützt von seiner resoluten Mutter (Ann-Kathrine Bilic), verurteilt?

Weder die Nachbarin Frau Briggy (Sandra Schubert), die bei der Suche nach dem Täter, eindrucksvoll ihre Teufelshysterie auslebt, noch die Mutter Eves (Belinda Götz), die sich nur wegen ihres Kruges ereifert, tragen zur Erhellung des Falls bei. Aufatmen kann das Publikum erst ganz am Schluss, als Eve ihre Ängste überwindet und ihr Schweigen  bricht. Am Schluss siegt die Gerechtigkeit und die  wilde Jagd aller Darsteller auf Richter Adam, quer durch den ganzen Bühnenraum, rundete den gelungenen Theaterabend mit den beeindruckenden Leistungen der jungen Darsteller ab.